33 KRANKENSTANDSTAGE: WENN DER BEWEGUNGSAPPARAT ZUM AUSFALLFAKTOR WIRD

Der aktuelle Fehlzeitenreport 2026 zeigt: Die Krankenstände in Österreich sind leicht zurückgegangen. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems bleiben dennoch einer der größten Treiber von Fehlzeiten. Für Unternehmen liegt gerade hier erhebliches Präventionspotenzial.

14,7 Kalendertage waren unselbständig Beschäftigte in Österreich im Jahr 2025 durchschnittlich im Krankenstand. Das sind um 2,7 Prozent weniger als im Jahr davor. Hinter diesem leichten Rückgang verbergen sich allerdings große Unterschiede zwischen den einzelnen Krankheitsgruppen.

Besonders deutlich zeigt sich das bei Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes. Rund ein Fünftel der erkrankten Beschäftigten war 2025 zumindest einmal davon betroffen. Beschäftigte mit mindestens einem Krankenstand aufgrund einer Muskel-Skelett- oder Bindegewebserkrankung kamen im Jahr 2025 auf durchschnittlich 33,4 Krankenstandstage insgesamt. Dabei wurden sämtliche Krankenstände – unabhängig von der Diagnose – berücksichtigt. In der Vergleichsgruppe mit Krankenständen aus anderen Diagnosegruppen waren es 19,3 Tage.

„Die Zahlen zeigen sehr deutlich, dass wir bei betrieblicher Gesundheit nicht erst über den Krankenstand sprechen dürfen. Entscheidend ist, früher anzusetzen und Belastungen zu erkennen, bevor daraus langfristige Beschwerden und Ausfälle entstehen“, sagt Thomas Marks, Geschäftsführer des Zentrum für Arbeitsgesundheit und -sicherheit (asz).

Rücken und Bewegungsapparat bleiben ein wesentlicher Faktor

Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen 11,3 Prozent aller Krankenstandsfälle, aber 19,1 Prozent aller Krankenstandstage. Besonders häufig sind Beschwerden im Bereich von Rücken und Wirbelsäule. Kreuz- und Lendenschmerzen machen beinahe die Hälfte der Fälle innerhalb dieser Krankheitsgruppe aus.

Damit sind Beschwerden des Bewegungsapparates nicht nur ein gesundheitliches Thema für die Betroffenen. Lange und wiederkehrende Ausfälle machen sie auch zu einem relevanten Faktor für Unternehmen.

Der Fehlzeitenreport weist zudem auf eine Herausforderung hin: Therapeutische Angebote erreichen bislang nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Betroffenen.

Prävention beginnt vor dem Krankenstand

Umso wichtiger ist es, nicht erst dann anzusetzen, wenn Beschwerden bereits zu längeren Ausfällen führen. Viele Belastungsfaktoren lassen sich direkt im Arbeitsalltag beeinflussen.

Dabei geht es nicht nur um den ergonomisch richtig eingestellten Bürostuhl. Körperlich belastende Tätigkeiten, schweres Heben und Tragen, repetitive Bewegungen oder langes Arbeiten in derselben Haltung können ebenso eine Rolle spielen wie die Gestaltung von Arbeitsabläufen, fehlende Bewegung oder psychosoziale Belastungen.

„Gesundheit am Arbeitsplatz lässt sich nicht in einzelne Bereiche aufteilen. Ergonomie, Arbeitsmedizin, Bewegung, Arbeitssicherheit und psychische Gesundheit greifen ineinander. Genau deshalb ist ein ganzheitlicher Blick auf den Arbeitsplatz so wichtig“, betont Marks.

Wirksame Prävention betrachtet deshalb Arbeitsplatz und Beschäftigte ganzheitlich: von ergonomischer Arbeitsgestaltung und arbeitsmedizinischer Vorsorge über Bewegung und Physiotherapie bis hin zu Arbeitssicherheit und Arbeitspsychologie.

Auch psychische Erkrankungen sorgen für lange Ausfälle

Dass die Dauer eines Krankenstandes mindestens so relevant ist wie die Zahl der Erkrankungsfälle, zeigt eine weitere Zahl aus dem Fehlzeitenreport: Psychische Erkrankungen machen lediglich 2,9 Prozent der Krankenstandsfälle, aber 11,8 Prozent aller Krankenstandstage aus.

Auch hier zeigt sich, wie wichtig frühzeitige Prävention und ein Arbeitsumfeld sind, das Gesundheit nicht erst dann zum Thema macht, wenn Beschäftigte bereits ausfallen.

Krankenstände verursachen Milliardenkosten

Die wirtschaftliche Dimension ist beträchtlich. Für 2024 weist der Fehlzeitenreport direkte Krankenstandskosten von rund 6 Milliarden Euro aus. Davon entfielen etwa 4,8 Milliarden Euro auf die Entgeltfortzahlung der Unternehmen und 1,2 Milliarden Euro auf Krankengeld. Für 2024 weist der Report direkte Krankenstandskosten von 6,2 Milliarden Euro beziehungsweise 1,3 Prozent des BIP aus. Zusätzlich werden die Wertschöpfungsverluste durch krankheitsbedingte Ausfälle auf 5,3 bis 8,8 Milliarden Euro geschätzt. Unter Einbeziehung weiterer indirekter Kosten können diese bis zu 1,9 Prozent des BIP entsprechen.

Für Unternehmen bedeutet das: Investitionen in Prävention sind nicht nur eine Frage der Gesundheit der Mitarbeiter. Sie können auch dazu beitragen, Fehlzeiten zu reduzieren, Beschäftigte länger gesund im Erwerbsleben zu halten und damit betriebliche Kosten zu senken.

„Prävention ist kein Nice-to-have. Wenn Unternehmen Gesundheit systematisch mitdenken, profitieren beide Seiten: die Beschäftigten durch bessere Arbeitsbedingungen und die Unternehmen durch weniger Ausfälle und langfristig gesunde Mitarbeiter“, so Marks.

Über den Fehlzeitenreport

Der Fehlzeitenreport wird jährlich vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) im Auftrag des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger, der Bundesarbeitskammer und der Wirtschaftskammer Österreich erstellt. Der Fehlzeitenreport 2026 analysiert die Krankenstandsdaten des Jahres 2025 und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes.